Südafrika

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Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung englisch: Republic of South Africa; deutsch: Republik Südafrika
Unabhängigkeit 31. Mai 1910 (von Großbritannien)
Fläche 1.219.912 qkm
Landesnatur ausgedehntes Inlandsplateau umrandet von schroffen Felsen, enges Küstenflachland, sehr vielfältige Vegetation: Savannen, Grasland, Halbwüsten, Fynbos, Regenwald; semiarides Klima, entlang der Küste subtropisch
Höchste Erhebung Njesuthi (3.408 m)
Küste 2.798 km; im Osten und Süden Indischer Ozean; im Westen Atlantik
Umweltprobleme Fehlen von wichtigen Hauptflüssen oder Seen erfordert umfassenden Wasserschutz und Kontrollmaßnahmen; Wasserverbrauch steigt stetig an; Verschmutzung von Flüssen sowie Luftverschmutzung; Bodenerosion, Desertifikation
Einwohnerzahl 43.647.658 (Juli 2002 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 35,8 Einwohner pro qkm Landfläche
Hauptstadt Pretoria (Regierungssitz); Sitz des Parlaments in Kapstadt, des Supreme Courts in Bloemfontein
Landessprachen elf Amtssprachen: Englisch, Afrikaans, Ndebele, Pedi, Sotho, Swazi, Tsonga, Tswana, Venda, Xhosa, Zulu
Religionen Christen (68%), Muslime (2%), Hindu (1,5%), traditionelle afrikanische Religionen und Animisten (28,5%)
Staatsform Republik
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahre Jahren; Verhältniswahlrecht
Exekutive Staatsoberhaupt: Präsident Thabo Mbeki; Stellvertretender Präsident Jacob Zuma; Wahlen: Präsident wird aller fünf Jahre von Nationalversammlung gewählt; Regierungschef: MbekiI; Stellvertreter ZUMA; Kabinett: Ernennung durch Präsidenten
Legislative Parlament: Zweikammernparlament bestehend aus Nationalversammlung (400 Sitze, alle fünf Jahre gewählt) und Nationalrat der Provinzen (90 Sitze, je 10 von den neun Provinzparlamenten gewählt)
Parteien African Christian Democratic Party (ACDP); African National Congress (ANC; Regierungspartei); Democratic Alliance (DA); Freedom Front (FF); Independent Democrats (ID); Inkatha Freedom Party (IFP; Regierungspartei); New National Party (NNP); Pan African Congress (PAC); United Democratic Movement (UDM)
Rechtssystem basiert auf römisch-niederländischem und englischem Recht
Verwaltungsgliederung neun Provinzen: Ostkap, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Limpopo, Mpumalanga, Nord-West, Nordkap, Westkap
Internationale Mitgliedschaften Vereinte Nationen und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF) und Weltbank
Internationale Länderkategorien

kein LDC-Status
(7 der 14 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

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Wirtschaft

Währung 1 Rand (ZAR) = 100 Cents
Wechselkurs 1 US$ = 11,59 Rand (Januar 2002)

Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Gold, Diamanten, Platin, andere Mineralien und Metalle, Maschinen und Ausstattung
- Wichtige Importgüter Maschinen, Nahrungsmittel und Ausstattung, Chemikalien, Petroleum, wissenschaftliche Instrumente

Wichtige Handelspartner
- Export EU (33%), USA (20%), Japan (6%), Mosambik (2,5%)
- Import EU (41%), USA (11,4%), Saudi Arabien (7,3%), Japan (7%)

Infrastruktur
- Eisenbahn 20.384 km
- Straßen 358.596 km (davon 59.753 km geteert)
- Flugplätze 740 (davon 143 mit befestigten Start- und Landebahnen)
- Häfen Kapstadt, Durban, East London, Mossel Bay, Port Elisabeth, Richards Bay, Saldanha

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

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Chronologie

Vor- und Frühgeschichte
  Vor- und Frühformen des heutigen Menschen lebten vor etwa drei Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Südafrika.
ca. 100.000 v. Chr. Knochenfunde lassen darauf schließen, dass der heutige Menschentyp homo sapiens sich in Südafrika niedergelassen hat.
ca. 60.000 - 50.000 v. Chr. In der heutigen Provinz Mpumalanga finden sich aus dieser Zeit früheste Felszeichnungen. Spätere Ablagerungen und Felszeichnungen zeigen, dass das Territorium des heutigen Südafrika seitdem beständig besiedelt wurde.
35.000 Khoisan-Völker beginnen Südafrika zu besiedeln. Sie tradieren die Kunst der Felszeichnungen.
um 1.000 Khoisan-Völker siedeln im gesamten Territorium des heutigen Südafrika. Sie sind Sammler und Jäger. Es erfolgt eine langsame Entwicklung der Technik und Werkzeuge, allerdings ohne Nutzung von Metallen. Die Existenz als Wildbeuter setzt eine äußerst geringe Bevölkerungsdichte und einen mehr oder weniger ausgeprägten Nomadismus voraus. Beides führt zu sehr kleinen sozialen Einheiten.
ca. 400 n. Chr. Bantusprachige Feldbauern der frühen Eisenzeit besiedeln dünn und ungleichmäßig das Südliche Afrika. Archäologische Funde zeigen, dass sie wasserreiche Gebiete bevorzugen, wo sie hauptsächlich Jamswurzeln und Sorghum anbauen, Fischfang und Jagd betreiben. Sie unterhalten auch kleine Viehbestände.
um 500 Bantu-Gruppen wandern aus dem Niederfeld der Küste in Täler an den Ausläufern des Hochvelds, dessen Hochland sie als Weideflächen nutzen. Die Viehzucht gewinnt hier an Bedeutung. Das Gehöft wird bei den Viehzucht treibenden Völkern die soziale Einheit, es bildet sich eine enge Verknüpfung von Viehzucht und sozialem Status heraus. Die Ausdehnung der Weidewirtschaft wird für die Entstehung größerer politischer Gemeinwesen bedeutsam. In den Soutpansbergen im nördlichen Transvaal errichten Gruppen Rundhüttendörfer, in deren Mitte Viehpferche liegen. Sie werden für weite Teile Südafrikas typisch. Aus dieser Zeit datieren reich verzierte Tonplastiken, die auf ein hoch entwickeltes Töpferhandwerk schließen lassen.
ca. 980 Die bantusprachigen Gruppen erreichen den Großen Kei-Fluss im heutigen Ostkap. Von hier aus ziehen sie vorerst nicht weiter, denn Sorghum, ihre Hauptpflanze, ist ein Getreide des Sommerregens und für den Winterregen am südlichen und westlichen Kap nicht geeignet. Die westlichen Gebiete werden weiterhin von Khoisan-Völkern bewohnt.
um 1200 Aus dieser Zeit datieren die ältesten Funde von Goldschmiedearbeiten.

Ankunft der Europäer
1488 Der Portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz umrundet das Kap der Stürme, das später in Kap der Guten Hoffnung umbenannt wird. Spätere Seefahrer gehen verschiedentlich zwecks Proviantierung entlang der südafrikanischen Küste an Land. Die Küstenbewohner zeigen sich als friedliche Handelspartner. Schiffbrüchige überleben durch die Gastfreundlichkeit der Küstenbewohner.
1652 Jan van Riebeeck landet mit 90 Soldaten an der Kap-Spitze, um eine Versorgungsstation für die holländische Ost-Indische Kompanie zu errichten. Ab 1657 werden nach und nach Besatzungsmitglieder der Versorgungsstation, deren Dienstzeit abgelaufen ist, als Freibauern angesiedelt. Später kommen Einwanderer aus Holland und Niederdeutschland und aus Frankreich flüchtige Hugenotten hinzu.
1659 Das rücksichtslose Verhalten Riebeecks und seiner Truppe führt erstmals zu heftigen Kämpfen mit den anwohnenden Afrikanern.
bis 1750 Die Freibauern rotten die Khoisan-Völker der Kapregion nahezu aus. Sie selbst betreiben eine auf Sklavenhaltung basierende Landwirtschaft.
1779 Bantu-Völker und weiße Eindringlinge treffen erstmals aufeinander. Bis 1877 lösen die Expansionsbestrebungen der weißen Siedler neun große Kriege zwischen Schwarzen und Weißen aus.
1795 Während der napoleonischen Kriege überträgt die Ostindische Kompanie die Verwaltung des Kap an die britische Krone.
1814 Das Kap wird im Rahmen der europäischen Neuordnung nach den napoleonischen Kriegen als Kolonie formal an die britische Krone abgetreten.
1818 König Shaka einigt die Zulu und gibt ihnen eine neue straff militärische Organisationsstruktur. Seine Expansionskriege lösen in der gesamten Region bis zum Sambesi große Völkerwanderungen (Mfecane) aus.
1834 Die britische Regierung verbietet den Sklavenbesitz.
1835-43 Die unterschiedliche Auffassung von Briten und Buren über die Behandlung und den Umgang mit Afrikanern löst den „Großen Treck“ aus. Die Buren suchen sich durch Vordringen nach Osten dem britischen Einfluss zu entziehen. Der „Große Treck“ wird in der theologisch gefärbten Ideologie der Buren mit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten ins verheißende Land verglichen.
1838 Die Buren siegen am Blood River über die Zulu.
1839-43 Die Buren gründen an der Küste des Indischen Ozeans ihre erste Republik Natal. Sie besteht vier Jahre, bis sie von Großbritannien annektiert wird.
1852 Die Briten erkennen die Unabhängigkeit Transvaals an. Es dauert jedoch bis 1860, ehe die Buren eine innere Einheit erreichen und dort die Südafrikanische Republik gründen. Der Krieg untereinander währt allerdings noch vier Jahre weiter.
1854 Mit dem Oranje Freistaat entsteht eine weitere Burenrepublik. Im gleichen Jahr wählt die Kapkolonie ihr erstes Parlament.
1872 Die Kapkolonie erhält eine autonome Regierung.

Kampf der Briten und Buren um die Herrschaft
1867-86 Gold und Diamantenfunde wecken die Begehrlichkeiten des Briten Cecil Rhodes.
1877 Die Briten annektieren die Republik Transvaal.
1880/81 Im ersten "Burenkrieg erobern die Buren Transvaal zurück.
1895 Ein von Cecil Rhodes unterstützter Angriff auf Transvaal schlägt fehl. Rhodes, damals Premierminister des Kaplandes, muss zurücktreten.
1899 Der zweite Burenkrieg beginnt. Es geht um die Kontrolle über die Gold- und Diamantenfelder. Die meisten gebildeten Schwarzen unterstützen die Briten. Sie erwarten sich von ihnen das Wahlrecht und das Recht auf Freizügigkeit.
1902 In einem Krieg der verbrannten Erde werden die Buren von den Briten geschlagen. Im Frieden von Vereeniging wird der koloniale Status der Burenrepubliken festgelegt und den Buren der Gebrauch des Afrikaans in den Schulen zugestanden. Die Frage des Wahlrechts für Afrikaner wird vertagt und später negativ entschieden.
1906 Die Briten gestehen den Buren eine "selbstverantwortliche" Regierungsform ihrer Republiken zu.

Die Südafrikanische Union
1910 Die Südafrikanische Union wird ohne Mitwirkungsmöglichkeit der (nichtweißen) Mehrheit gegründet; sie wird als britisches Herrschaftsgebiet Mitglied im Commonwealth. Die Kap-Provinz behält vorerst das geltende liberale Wahlrecht, nach dem Schwarze weiße Vertreter wählen können, Transvaal und Orange Freistaat behalten die Praxis des Ausschlusses aller Nichtweißer von politischer Macht bei.
1911 Afrikaner können keine Zeugnisse als ausgebildete Arbeiter mehr erhalten.
1912 Der African National Congress ANC wird gegründet. Er versucht vor allem durch Petitionen an die Regierung in London deren mäßigende Einwirkung auf die rassistische Ausschließungspolitik der südafrikanischen Regierung zu erwirken.
1913 Die Landgesetze verbieten den Bodenerwerb für Afrikaner außerhalb der Reservate (7,3% der Fläche Südafrikas). Die Fläche der Reservate wird 1936 auf 13% des Territoriums erweitert.
1914-18 Schwarze Südafrikaner fallen auf europäischen Schlachtfeldern.
1914 Ein Gesetz ermöglicht das Verbot "politischer" Versammlungen.
1919 Mit der Industrial and Commercial Workers Union (ICU) gründen die Schwarzen einen eigenen Gewerkschaftsverband. Er löst sich 1930 nach Streitigkeiten über die Mitarbeit von Kommunisten auf.
1921 Die Kommunistische Partei Südafrikas SACP wird gegründet.
1922 Weiße Gewerkschaften rufen ihre Arbeiter zu einem Generalstreik auf. Sie verlangen eine Eingrenzung der Beschäftigung schwarzer Arbeiter in den Bergwerken. Sie bewaffnen sich und übernehmen die Bergwerke. Die "Randrevolte" wird von der Armee nach vier Tagen niedergeschlagen.
1923 Die Trennung von Wohngebieten nach Rassen wird eingeführt.
1926 Das Recht auf Streik wird für Afrikaner eingeschränkt.
1927 Außerehelicher Geschlechtsverkehr zwischen Schwarzen und Weißen wird verboten.
1936 Die Afrikaner verlieren ihr beschränktes Wahlrecht in der Kap-Provinz. Es werden getrennte Wählerlisten eingerichtet.
1939-45 Schwarze Südafrikaner kämpfen im Zweiten Weltkrieg auf Alliierter Seite gegen Faschismus und Diktatur.
1944 Innerhalb des ANC wird die Jugendliga gegründet. Gründer sind u.a. Nelson Mandela, Walter Sisulu und Oliver Tambo. Die Jugendliga setzt sich zur Aufgabe, das allgemeine politische Bewusstsein zu mobilisieren und als "Pressure Group" innerhalb des ANC zu fungieren; beides mit dem Ziel, die nationale Einheit der Afrikaner voranzutreiben, um so den Kampf gegen die weiße Herrschaft effektiver führen zu können.
1946 Massenhafte Streiks afrikanischer Bergarbeiter werden niedergeschlagen.

Apartheid
1948 Bei den Parlamentswahlen siegt die Nationale Partei. Sie festigt durch neue Gesetze und Bestimmungen die Rassentrennung. Apartheid wird verfassungsmäßig verankert.
1949 Die Eheschließung zwischen Weißen und Nichtweißen wird verboten.
1950 Die Rassengruppen werden definiert und alle Bürger danach klassifiziert und registriert. Die Siedlungs- und Wohngebiete werden endgültig nach Rassen aufgeteilt. Die Kommunistische Partei wird verboten; die schwammige Definition des Begriffs Kommunismus gibt der Regierung weitgehende Vollmachten ohne Kontrolle der Gerichte.
1951 Die Bantu-Behörden werden geschaffen, der Zugang für Afrikaner in die Städte wird erschwert, Inder und Mischlinge werden aus der allgemeinen Wählerliste gestrichen und erhalten eigene Vertretungskörperschaften.
1952 Für alle Schwarzen wird das Referenzbuch, der so genannte Pass, eingeführt. Es bestätigt ein Arbeitsverhältnis und erlaubt das Betreten ansonsten Weißen vorbehaltenen Gebietes. Es ist ständig mitzuführen.
1953 Ein neues Gesetz stellt Proteste gegen geltende Gesetze unter Strafe. Für Schwarze wird ein besonderes Erziehungsprogramm eingeführt. Dieses Bantu-Erziehungssystem wird von den Schwarzen als minderwertig und erniedrigend empfunden. Mit der "kleinen Apartheid" wird die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen von Parks bis zu Kino- und Bahnschaltern verordnet.
1955 ANC, der Congress of Democrats, der Indian Congress und der Coloured Peoples Congress - die so genannten Charteristen - bilden die Kongress-Allianz und verabschieden die Freiheitscharta, die sich für ein demokratisches und freiheitliches Südafrika ohne Rassismus ausspricht. "Südafrika gehört allen, die darin leben".
1956 Die Regierung verbietet die Registrierung gemischtrassischer Gewerkschaften; Arbeitsplätze werden für bestimmte Rassengruppen reserviert.
1958 Der Pan Africanist Congress PAC spaltet sich vom ANC ab. Er betont im Zuge des Panafrikanismus die schwarzen Wurzeln und lehnt eine Beteiligung von Weißen bei der Konzeption eines neuen Südafrika ab.

Vom Protest zum bewaffneten Widerstand und Ausbau des Unterdrückungsapparates
1960 Am 21. März werden bei einem Massaker in Sharpeville 69 Menschen getötet und 186 verwundet, als die Polizei das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die gewaltfrei gegen die Passgesetze demonstrieren. Die Afrikaner reagieren mit Unruhen und Streiks im ganzen Land. Die Regierung erläßt ein Gesetz, das ANC und PAC verbietet. Dieser Schlag gegen den organisierten Teil des schwarzen Widerstandes führte zum bewaffneten Widerstand gegen Apartheid. Der ANC gründet mit Umkhonto we Sizwe (MK, "Speer der Nation") einen bewaffneten Arm der Bewegung. Er beginnt im folgenden Jahr mit ersten Angriffen auf staatliche Einrichtungen.
Die Vereinten Nationen haben den 21. März zum internationalen Tag gegen Rassendiskriminierung erklärt.
1961 Die Südafrikanische Union tritt aus dem Commonwealth aus und nennt sich fortan Südafrikanische Republik. Der ANC-Präsident Albert Luthuli erhält den Friedensnobelpreis und fordert erstmals Sanktionen gegen das Apartheidregime.
1962 Die Regierung nimmt Sabotageakte zum Anlass, Einzelpersonen zu bannen. Sie dürfen sich nicht vom Ort bewegen, erhalten Veröffentlichungsverbot und nur begrenzten Besuch bei Genehmigung. Es ist untersagt, Aussagen von ihnen zu zitieren.
Poqo ("Wir allein"), der bewaffnete Flügel des PAC, verübt Angriffe gegen Informanten, Chiefs und Weiße.
1963 Gegen zehn Mitglieder des ANC beginnt ein Hochverratsprozess. Sie waren im Vorjahr in Rivonia, einem Vorort von Johannesburg, verhaftet worden. Ihnen wird vorgeworfen, einen gewaltsamen Umsturz vorbereitet zu haben und für die Sabotageakte die Verantwortung zu tragen.
1964 Die meisten Angeklagten des Rivonia-Prozesses werden zu lebenslanger Haft verurteilt. Mandelas Schlusswort vor Gericht ist eines der eindrucksvollsten Dokumente über das Ringen um Gleichberechtigung und ein Plädoyer für die einfachsten Grundrechte einer menschenwürdigen Gesellschaft.
1965 Es wird ein Gesetz verabschiedet, nach dem Verhaftete 180 Tage lang in Einzelhaft genommen werden können, ohne dem Gericht vorgeführt zu werden.
1966 Premierminister Verwoerd wird im Plenarsaal von einem weißen Parlamentarier erstochen. Der wird für geisteskrank erklärt und nie vor Gericht gestellt. Nachfolger wird B.J. Vorster.
1967 Das Terrorismus-Gesetz gibt der Polizei das Recht, Verhaftete auf unbefristete Zeit in Einzelhaft zu nehmen. Die Öffentlichkeit hat kein Anrecht darauf, die Namen der Verhafteten zu erfahren.
1968 Ein Gesetz wird verabschiedet, das nicht entlang der Rassenlinien organisierte politische Parteien verbietet.
1970 Der Bantu Homelands Citizenship Act beraubt alle schwarzen Südafrikaner ihrer Staatsbürgerschaft. Sie werden zu Bürgern einer der zehn Homelands ernannt. Das Gesetz bewirkt eine millionenfache Ausbürgerung der Schwarzen. Die Homelands sollen nach den Plänen der Regierung nach und nach in die "Unabhängigkeit" entlassen werden. Diesen Status erhielten bis zum Ende des Apartheidregimes die Transkei (1976), Bophuthatswana (1977), Venda (1971) und Ciskei (1981).
1972 Die Black People's Convention wird als Dachorganisation der Black Conciousness-Gruppen gegründet.
1973 In Durban beginnen Streiks. Sie weiten sich auf andere Zentren aus und markieren das Wiederaufleben eines unabhängigen Gewerkschaftswesens.
1974 Südafrikanische Einsatzkommandos dringen erstmals nach Botswana ein, um Oppositionelle zu verfolgen und zu töten.
1975 Die Inkatha wird als kulturelle Bewegung des Zulu-Volkes wiederbelebt. Die Bewegung sucht zunächst eine lose Allianz mit dem ANC.
1976 Im Johannesburger Township Soweto beginnt am 16. Juni eine Protestwelle. Auslöser ist die Einführung von Afrikaans als vorgeschriebene Unterrichtssprache an schwarzen Schulen. Bei den landesweiten Protesten werden etwa 600 Menschen getötet und 2.000 verletzt. Die Organisationen der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins werden verboten. Viele Mitglieder fliehen ins Ausland und schließen sich dem ANC an.
1977 Der Führer der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins, Steve Biko, wird in Pretoria im Polizeigewahrsam in den Tod getrieben.
1978 Aus der Bewegung des Schwarzen Selbstbewusstseins heraus gründet sich die Azanian People's Organization AZAPO.
Über einen regierungsinternen Skandal kommt P.W. Botha an die Macht. Er entwickelt die Politik der "Totalen Strategie". Alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen sollen so formiert werden, dass die Konflikte im Inneren kontrollierbar gehalten werden. Dazu wird auch die Destabilisierung der Nachbarländer geplant.
1979 Nach einem Treffen zwischen Chief Buthelezi und dem ANC in London werden die Verbindungen zwischen Inkatha und ANC aufgelöst.
1981 Bei Kommandoaktionen nach Mosambik werden zwanzig Menschen getötet. Die Rebellenorganisation Renamo wird von Pretoria aus unterstützt.
Die südafrikanische Armee besetzt ein Drittel des Territoriums von Angola, um die Befreiungsbewegung Swapo vom direkten Zugang nach Namibia abzuschneiden.
1982 Südafrikanisches Militär greift ANC-Mitglieder in Lesotho an. 42 Menschen, darunter 12 Bürger Lesothos, werden getötet.
Das Gesetz zur inneren Sicherheit erlaubt das Verbot von Publikationen und legitimiert Hausarrest sowie unbefristete Haft.
1983 Eine Verfassungsänderung räumt den Farbigen und Indern eigene Kammern mit begrenzten Rechten ein; Schwarze werden nicht berücksichtigt und gelten weiterhin als Bürger der Homeland und als Ausländer in Südafrika.
Gegen dieses neue Dreikammernsystem organisieren die den Charteristen nahestehende Vereinigte Demokratische Front (UDF) und das von Afrikanisten und unabhängigen Sozialisten gegründete Nationale Forum (NF) den Widerstand.
1984 Mosambik unterzeichnet auf starkem Druck durch Südafrika das Nkomati-Abkommen. ANC-Mitglieder müssen Mosambik verlassen.
1985 Nach schweren Unruhen bei Vertreibungen illegaler Siedlungen und nach Begräbnissen von Aktivisten, die sich zu politischen Demonstrationen entwickeln, wird in 36 Distrikten der Ausnahmezustand ausgerufen. Botha erklärt in seiner "Rubikon-Rede" das Ende jeglicher Reformgespräche.
In der Provinz Natal beginnen gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF.
Im November gründen die wichtigsten unabhängigen Gewerkschaften den Dachverband Congress of South African Trade Unions.
1986 In zahlreichen Townships beginnen Aufstände: "Macht die Städte unregierbar", heißt die Parole. Die Regierung sucht ihrer durch Ausrufung eines landesweiten Ausnahmezustandes Herr zu werden. Bis Juni 1987 werden mehr als 25.000 Personen verhaftet.
Der mosambikanische Staatschef Samora Machel kommt bei einem von Südafrika initiierten Flugzeugabsturz ums Leben.
Die UDF beruft Straßenkomitees und Volksgerichte ein. Zahlreiche Verbrechen sind die Folge.
1987 Eine Gruppe afrikaanssprachiger Weißer trifft sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar erstmals mit dem ANC.
1988 Den Gewerkschaften, der UDF und weiteren 16 Organisationen werden gravierende Beschränkungen auferlegt.
Nach schweren Niederlagen in Angola und dem veränderten West-Ost-Verhältnis stimmt Südafrika zum Jahresende dem Vertrag von New York zu und muss sich aus Angola zurückziehen sowie dem Unabhängigkeitsprozess in Namibia unter internationaler Kontrolle zustimmen.
1989 Es kommt zu einem ersten Treffen zwischen Botha und Nelson Mandela. Einen Schwächeanfall Bothas nutzt F.W. de Klerk, um die Regierung zu übernehmen. Er leitet eine Öffnung des Apartheidsystems ein, um wenigstens indirekt die politische Kontrolle zu behalten.

Der Übergang
1990 Das Verbot von ANC, PAC und 31 weiteren Organisationen wird aufgehoben, Nelson Mandela und andere politische Gefangene werden entlassen.
In Natal nehmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Inkatha und UDF nicht gekannte Ausmaße an. Später wird bekannt, dass Inkatha von der Regierung massiv unterstützt wird. Die Auseinandersetzungen halten bis kurz vor den Wahlen 1994 an.
1991 Die Regierung und 18 weitere Parteien beschließen die Übereinkunft für ein demokratisches Südafrika (Codesa).
1992 In einem Referendum ausschließlich unter Weißen befürworten 69% die Fortsetzung der Verhandlungen durch die Regierung.
1993 Nach dreijährigen Verhandlungen wird ein Abkommen über eine nicht-rassische Vielparteiendemokratie beschlossen und eine Übergangsverfassung verabschiedet. Nelson Mandela und F.W. de Klerk erhalten den Friedensnobelpreis.
1994 Im Vorfeld der Wahlen suchen Anhänger der weißen Rechten und der Homelandchef von Bophuthatswana, die Regierung durch bewaffnete Aktionen zur Preisgabe der Verhandlungslösung zu bringen. Sie scheitern. Inkatha verstärkt ein letztes Mal Gewalttätigkeiten. Bis unmittelbar vor den Wahlen bleibt eine Teilnahme Inkathas ungewiss. Die Drohung einer Sezession Natals steht im Raum

Südafrika wird Demokratie
1994 Am 27. April finden erstmals in Südafrika freie und allgemeine Wahlen statt. Der ANC gewinnt mit deutlicher Mehrheit; Nelson Mandela wird erster Präsident des freien Südafrika.
Gemäß der Übergangsverfassung werden die Nationalpartei und Inkatha aufgrund ihres Wahlergebnisses an der Regierung der Nationalen Einheit beteiligt.
Südafrika tritt als elftes Mitglied der regionalen Entwicklungsgemeinschaft SADC bei.
1996 Südafrika erhält im Dezember seine endgültige Verfassung. Sie tritt am 3. Februar 1997 in Kraft.
Die Wahrheits- und Versöhnungskommission nimmt ihre Arbeit auf. Sie soll die jüngste Vergangenheit Südafrikas aufarbeiten und die Verletzung der Menschenrechte untersuchen, die beide Seiten seit dem Massaker von Sharpeville 1960 begangen haben.
1998 Die Wahrheitskommission legt ihren Bericht vor.
1999 Bei den Parlamentswahlen kann der ANC seinen Vorsprung ausbauen. Neuer Staatspräsident wird Thabo Mbeki. Nelson Mandela hatte nicht wieder kandidiert. Die Präsidentschaft ist auf zwei Perioden begrenzt.
2003 Entgegen großzügigeren Empfehlungen der Wahrheitskommission gesteht die Regierung anerkannten Opfern der Apartheid nur eine einmalige Abfindung von 3.500 Rand zu. Opfer haben vor US-Gerichten eine Sammelklage eingereicht, in der sie von überseeischen Firmen, die durch ihre Tätigkeit die Apartheid unterstützt haben, eine Entschädigung fordern; darunter die drei großen deutschen Banken, DaimlerChrysler und der Rüstungskonzern Rheinmetall.
2004 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stehen an.
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